Kategorie: Robotik

Interview mit Arne Maibaum zum Projekt #NotMyRobots

Rassismus in der Robotik, Sexismus in der Robotik, Besonderheiten der Robotik als Wissenschaft, … oder wir Arne Maibaum sagt: „Das kommt davon, wenn man mit Sozialwissenschaftler:innen über Robotik redet.“

Ich hatte es mir schon ewig vorgenommen und bin letzte Woche endlich dazu gekommen, mit Arne Maibaum (@LordElend auf Twitter) ein Interview zu dem Projekt @NotMyRobots zu führen, das er mitbegründet hat. In dem Projekt geht es vor Allem um die teilweise verstörenden Symbolbilder, die für Robotik- und AI-Artikel genutzt werden.

Beispielhafte Google-Bildersuche nach ‚Robot AI‘

Das ganze Interview ist bei botzeit.de zu finden und aus meiner Sicht extrem interessant. Das liegt vor Allem daran, dass ich als Robotik-Ingenieur selten (noch nie?) mit einem/einer Sozialwissenschaftler:in über Robotik gesprochen habe. Das hat uns im Interview zu Aspekten geführt, über die ich im Kontext Robotik noch nie in der Tiefe nachgedacht habe. Das ist zum Beispiel Sexismus in der Robotik, Rassismus in der Robotik, oder die einzigartige Art und Weise, wie Robotik wissenschaftliche Evidenz kreiert. Viele dieser Aspekte werden mich noch einige Zeit beschäftigen und gegebenenfalls noch weitere Blogbeiträge nach sich ziehen.

Insbesondere muss ich seit dem Interview noch viel über Arnes Beobachtung nachdenken, dass wir in der Robotik, anders als in fast allen anderen Disziplinen der Wissenschaft, den Gegenstand unserer Forschung selbst schaffen. Ich glaube, dieser Aspekt erklärt viele Probleme, die ich als Bauchgefühl schon immer mit mir herum getragen habe, aber nie konkret benennen konnte. Vermutlich hilft dieser Teil mir dabei, einige dieser Probleme zukünftig besser und konkreter benennen zu können.

Insbesondere jedem/jeder Robotiker:in empfehle ich daher, das ganze Interview zu lesen und gerne direkt darunter oder hier zu kommentieren.

NotMyRobots – Interview mit Arne Maibaum bei botzeit.de

Ethik in der Robotik

Philosophierende Roboter

Über die von Informatikprofessor Noel Sharkey angestoßene Diskussion zu Ethik und Verantwortlichkeit in der Robotik.

Ethik als Grunddisziplin der Philosophie, also der Lehre vom Sein, ist kein Feld, das man klassisch der Robotik zuweisen würde. Noel Sharkey, Professor für künstliche Intelligenz und Robotik an der Universität Sheffield, will jedoch genau das Robotern beibringen. Grundlage für die Idee ist der aktuelle − und in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach noch verstärkte − Einsatz von Robotern im direkten Kontakt mit Menschen. Das meint zum einen den Einsatz zu militärischen Zwecken und zum anderen den Einsatz von Robotern zur Pflege von Alten, Kranken und Kindern. Hier will Sharkey eine Diskussion über Ethik und Verantwortlichkeit bei Robotern lostreten.

Das wirkt noch wie Zukunftsmusik, in Japan und Südkorea kommen Roboter zur Kinder- und Altenbetreuung jedoch mehr und mehr in Mode und auch die Zahl der Militärs, die Roboter aktiv einsetzen, nimmt stetig zu.

Interessant ist die Diskussion über Ethik in der Robotik deshalb auch, weil dadurch die letzte der vier Grunddisziplinen der Philosophie (Logik, Ethik, Epistimelogie, Metaphysik/Ontologie) für Maschinen erschlossen wird. Logik, Epistimelogie (Erkenntnistheorie) und Ontologie sind von der Informatik behandelt und dadurch im Prinzip für Maschinen verfügbar.Im Prinzip verfügbar; der Informatikbegriff „Ontologie“ ist nicht deckungsgleich mit dem philosophischen Begriff der Ontologie und Metaphysik. Die Ethik hinzuzufügen ist da eine interessante Erweiterung. Können Roboter dann Philosophieren?

Mehr dazu in meinem Robotik-Blog.