Interview mit Arne Maibaum zum Projekt #NotMyRobots

Rassismus in der Robotik, Sexismus in der Robotik, Besonderheiten der Robotik als Wissenschaft, … oder wir Arne Maibaum sagt: „Das kommt davon, wenn man mit SozialwissenschaftlerInnen über Robotik redet.“

Ich hatte es mir schon ewig vorgenommen und bin letzte Woche endlich dazu gekommen, mit Arne Maibaum (@LordElend auf Twitter) ein Interview zu dem Projekt @NotMyRobots zu führen, das er mitbegründet hat. In dem Projekt geht es vor Allem um die teilweise verstörenden Symbolbilder, die für Robotik- und AI-Artikel genutzt werden.

Beispielhafte Google-Bildersuche nach ‚Robot AI‘

Das ganze Interview ist bei botzeit.de zu finden und aus meiner Sicht extrem interessant. Das liegt vor Allem daran, dass ich als Robotik-Ingenieur selten (noch nie?) mit einem/einer SozialwissenschaftlerIn über Robotik gesprochen habe. Das hat uns im Interview zu Aspekten geführt, über die ich im Kontext Robotik noch nie in der Tiefe nachgedacht habe. Das ist zum Beispiel Sexismus in der Robotik, Rassismus in der Robotik, oder die einzigartige Art und Weise, wie Robotik wissenschaftliche Evidenz kreiert. Viele dieser Aspekte werden mich noch einige Zeit beschäftigen und gegebenenfalls noch weitere Blogbeiträge nach sich ziehen.

Insbesondere muss ich seit dem Interview noch viel über Arnes Beobachtung nachdenken, dass wir in der Robotik, anders als in fast allen anderen Disziplinen der Wissenschaft, den Gegenstand unserer Forschung selbst schaffen. Ich glaube, dieser Aspekt erklärt viele Probleme, die ich als Bauchgefühl schon immer mit mir herum getragen habe, aber nie konkret benennen konnte. Vermutlich hilft dieser Teil mir dabei, einige dieser Probleme zukünftig besser und konkreter benennen zu können.

Insbesondere jedem/jeder RobotikerIn empfehle ich daher, das ganze Interview zu lesen und gerne direkt darunter oder hier zu kommentieren.

NotMyRobots – Interview mit Arne Maibaum bei botzeit.de

Robert-Koch-Institut simuliert 2013 den hypothetischen Virus „Modi-SARS“

Das Robert-Koch-Institut, die deutsche Instanz für Gesundheit und Infektionskrankheiten, hat 2013 dem deutschen Bundestag ein Szenario zu einem Ausbruch eines hypothetischen Virus simuliert, das sie Modi-SARS nennen. Der Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012 ist absolut beeindruckend in seiner Präzision und Übereinstimmung mit dem aktuellen Verlauf des neuartigen Coronavirus‘ SARS-CoV-2.

Risikoanalyse des Robert-Koch-Instituts zu einem hypothetischen „Modi-SARS“-Virus

So heißt es auf Seite 55 der Riskoanalyse: „Das hypothetische Modi-SARS-Virus ist mit dem natürlichen SARS-CoV in fast allen Eigenschaften identisch. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Übertragung des Virus auf einen Menschen bis zu den ersten Symptomen der Erkrankung, beträgt meist drei bis fünf Tage, kann sich aber in einem Zeitraum von zwei bis 14 Tagen bewegen. Fast alle Infizierten erkranken auch. Die Symptome sind Fieber und trockener Husten, die Mehrzahl der Patienten hat Atemnot, in Röntgenaufnahmen sichtbare Veränderungen in der Lunge […] Die Letalität ist mit 10% der Erkrankten hoch, jedoch in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich stark ausgeprägt. Kinder und Jugendliche haben in der Regel leichtere Krankheitsverläufe mit Letalität von rund 1%, während die Letalität bei über 65-Jährigen bei 50% liegt. Die Dauer der Erkrankung unterscheidet sich ebenfalls in Abhängigkeit vom Alter der Patienten; jüngere Patienten haben die Infektion oft schon nach einer Woche überwunden, während schwerer erkrankte, ältere Patienten rund drei Wochen im Krankenhaus versorgt werden müssen“

Die Beschreibung des hypothetischen Modi-SARS liest sich zumindest für mich als Laien sehr präzise, hier der hypothetische Steckbrief von Seite 86 der Risikoanalyse:

Steckbrief des hypothetischen Modi-SARS-Virus, erdacht vom Robert-Koch-Institut 2013

Was das RKI in dem Szenario für den weiteren Verlauf voraussagt, macht nicht unbedingt viel Hoffnung (Kapitel 2.3, aber – wie gesagt – alles hypothetisch): „Zum Höhepunkt der ersten Erkrankungswelle nach ca. 300 Tagen sind ca. 6 Millionen Menschen in Deutschland an Modi-SARS erkrankt. Das Gesundheitssystem wird vor immense Herausforderungen gestellt, die nicht bewältigt werden können. Unter der Annahme, dass der Aufrechterhaltung der Funktion lebenswichtiger Infrastrukturen höchste Priorität eingeräumt wird und Schlüsselpositionen weiterhin besetzt bleiben, können in den anderen Infrastruktursektoren großflächige Versorgungsausfälle vermieden werden. Nachdem die erste Welle abklingt, folgen zwei weitere, schwächere Wellen, bis drei Jahre nach dem Auftreten der ersten Erkrankungen ein Impfstoff verfügbar ist.“

Ich finde, man kann in diesen Tagen echt dankbar sein, dass sich Deutschland ein solch kompetentes Institut leistet und dieses Institut im Krisenfall – so zum Beispiel aktuell in der Coronavirus-Pandemie – tatsächlich auch in der Politik und Medien Gehör findet.

Windschutzscheibe

Huch, Insekten auf der Windschutzscheibe

Im letzten Jahr habe ich mit meiner Familie Urlaub an der Nordsee gemacht: aus Stuttgart kommend, Zwischenstopp im Ruhrpott, dann weiter zur Nordsee. In Norden angekommen ist mir dann etwas aufgefallen, was ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte: der ganze Kühlergrill und die Windschutzscheibe war übersät von toten Insekten. Und erst in diesem Moment fiel mir auf: Stimmt, so war das früher. Und irgendwie immer und überall.

Windschutzscheibe
Eine saubere Windschutzscheibe. Gut, aber warum?

Ich fahre – leider – jeden Wochentag mit dem Auto. Und trotzdem habe ich – trotz über 100 km/h auf der A8 und A81 – seit Jahren fast keine Insekten mehr auf der Windschutzscheibe. Das hat wohl so graduell abgenommen, dass es mir erst wieder aufgefallen ist, als sie dann auf der Reise durch den Norden der Republik wieder da waren. Eine direkte Folge des Insektensterbens?

Es gibt einige Artikel, die sich diese Frage widmen. Zum Beispiel dieser hier vom BR oder dieser hier bei IFLS (englisch). Dort geht es in der Regel um die Frage, ob die Tatsache, dass es früher mehr tote Insekten auf der Windschutzscheibe gab, wirklich am Insektensterben liegt oder doch eher an den aerodynamischer gewordenen Autos. Ich für meinen Teil kann es für mich beantworten: Alle genannten Strecken bin ich mit dem gleichen Auto gefahren, und auch die Geschwindigkeit kann nicht der Grund sein. Auch auf gelegentlichen Heimatbesuchen ins Ruhrgebiet fahre ich 100-150km/h und erlebe dort nie mehr solche Mengen Insekten wie auf der Strecke vom Ruhrpott durchs tiefe Niedersachsen an die Nordsee.

Ein rein anekdotischer Schluss, der wissenschaftlichen Ansprüchen natürlich nicht genügt: kein gutes Zeichen für den Pestizideinsatz zwischen Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Warum ich die Grünen unterstütze

Seit heute bin ich Fördermitglied bei den Grünen. Politisch interessiert war ich schon immer, grün-sozialdemokratisch sozialisiert auch, aber Parteienpolitik hat mich bislang eher abgestoßen.

Meinem Gefühl nach ist so langsam die Zeit, das zu ändern. Es gibt so viele politische Einflussmöglichkeiten und sowohl auf nationaler, als auch internationaler Ebene war ich in den letzten Jahren mittlerweile oft genug entsetzt, wie diese genutzt (oder auch genau nicht genutzt) wurden. Auch wenn es Deutschland insgesamt gut geht, so ist doch in den letzten Jahren und Jahrzehnten unter (im Wechsel) schwarz-roter Führung so einiges verpasst, vergeigt, oder ignoriert worden. Bei vielen dieser Dinge lässt sich für mich relativ gut identifizieren, dass die Grünen vor Jahren schon auf die Ideen gekommen sind, die sich jetzt langsam auch im gesellschaftlichen Konsens als die richtigen rausstellen.

Die CDU: gibt mit Mühe der Vernunft nach, leider Jahrzehnte zu spät.

Die CDU hat mit der obigen Werbung erst vor wenigen Tagen auf twitter dafür selbst ein tolles Beispiel geliefert. Dort feiert man sich dafür ab, dass man selbst es gewesen sei, die den Atomausstieg erst haben wirklich werden lassen. Technisch mag das der Wahrheit entsprechen, ist aber auf niederträchtige Art und Weise irreführend: der Atomausstieg war von rot-grün bereits beschlossen worden, von der CDU wieder zurückgenommen worden und dann musste erst Fukushima passieren, damit die CDU zurückrudert und ihren Widerstand aufgibt … viel zu spät und mit katastrophalen Kosten. Die Grünen hatten den Ausstieg zu dem Zeitpunkt schon seit Jahrzehnten gefordert. Auf viele andere gesellschaftliche, und vor allem umweltpolitische und verkehrspolitische Fragen trifft das genauso zu.

Ich möchte die Partei unterstützen, die selber auf die guten Ideen kommt. Nicht eine Partei, die sie über Jahrzehnte verpennt oder aktiv verhindert und es zu ihren Erfolgen zählt, den Widerstand dagegen irgendwann aufzugeben, wenn es (fast?) schon zu spät ist.

Mit der herannahenden Klimakatastrophe, der größer werdenden Schere zwischen arm und reich, und und und … gibt es in den nächsten Jahrzehnten genug Herausforderungen, zu denen – so glaube ich – vielfach die Grünen gute Antworten haben. Dafür bin auch ich bereit, in Kauf zu nehmen, dass in der Partei ein Boris Palmer rumwütet und die Grünen sich bisweilen in Homöopathie und Esoterik verrennen. Eine Partei mit 100% Deckung gibt es wohl nicht.

Morgen werde ich grün wählen!

Dubai

Auf der Rückreise aus Japan hatte ich einen längeren Zwischenstopp am Flughafen von Dubai. Der sechsstündige Aufenthalt mit Halt an den bekanntesten Attraktionen lässt mich fassungslos zurück.

Kein Screenshot aus SimCity, sondern Dubai. Bild: Tim Reckmann, cc-by-2.0

Der Eindruck an Übermaß und Größe übertrifft den aus New York noch um die Beliebigkeit und offenbar grenzenlosen Einsatz und Verfügbarkeit von Ressourcen. Burj Khalifa ist da nur der Fliegenschiss obendrauf, der der ganzen Absurdität allerhöchstens noch die Krone aufsetzt.

Ich muss mich in den nächsten Tagen eingehender mit Dubai beschäftigen, um die wichtigsten Fragen zu klären: Wie? Wer? Wo? Und warum?

Die Menge an Gebäuden und Hotels ist absurd, wenn man bedenkt, dass dies eine aus Erdöl gestampfte Stadt in der Wüste ist. Die Menge an Wasser ist absurd, die täglich verbraten wird, um sie zu begrünen. Wer zieht hier hin und wer macht das Publikum aus, das allein die eine Straße am Leben halten muss, an der sich auf ca. 2km nur Schönheitschirurgen, europäische Zahnmediziner und Beauty Salons für Hunde aneinander reihen.

Absurd!