Zensur ist keine Lösung

Warum Zensur keine Lösung ist, versucht netzpoltik.org sachlich in einer kommentierten, ausführlichen Liste darzustellen. Mit vielen weiterführenden Links zum Thema.

Wer in solchen Belangen gerne auf die etablierten Medien setzt, findet bei der FAZ einen Artikel, der das Thema von mehreren Seiten in sachlichem Ton und äußerst lesenswert beleuchtet.

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Wilhelm, das Bügelbrett

Ein neues Bügelbrett

Ein anonymer Gastautor dokumentiert heute im BILDblog einen neuen Wikipedia-Scherz, der sich rasant und ungeprüft durch die Medien verbeitet.

Der ungenannte Autor hat anonym am Abend des 8. Februar den Namen des (noch) amtierenden Bundeswirtschaftsministers auf den Vornamen „Wilhelm“ erweitert.1)Anonyme Einfügung am 8. Februar um 21:40 Uhr. Nachdem sich dieser falsche Name zu SPIEGEL Online herumgesprochen hatte, wurde eben dieser Artikel bei Wikipedia wiederum als Quelle für den Namen angegeben.2)Beleg des falschen Namens anhand von SPIEGEL Online am 9. Februar um 15:48 Uhr. Das Titanic Magazin hat dazu einmal ein Diagramm gezeigt, dass genau diesen Effekt aufzeigt. In der schnellen Wechselwirkung Wikipedia ↔ Onlinemedien kann auf diese Weise jede Falschinformation zur (zumindest kurzfristigen) Wahrheit mutieren. Erschreckend.

Quelle: Titanic MagazinQuelle: Titanic Magazin

Der Scherz ist inzwischen aufgrund der Geschichte von BILDblog aus aus dem Wikipedia-Artikel verschwunden, fraglich ist jedoch, wie lang er sich noch in anderen (Online-) Medien hält. Er ist unter anderem bei SPIEGEL Online, Handelsblatt.com, heute.de, im RTL-Nachtjournal, in der Süddeutschen Zeitung und auf der Titelseite der BILD gelandet.

Die Überschrift zeigt, dass ich versucht bin, eine neuerliche Selbstreferenz zu wagen, man möge mir dies verzeihen. Die Geschichte erinnert stark an den Vorfall rund um die Frauen-Nationalelf. Damals handelte es sich jedoch im wesentlichen um Unsinn, um Unterhaltung. Dieser Vorfall zeigt die Erschließung der Politik und belegt, dass Journalisten auch in diesem Themengebiet offenbar unvorsichtig mit Informationen und Quellen umgehen.

Die möglichen Auswirkungen sind beliebig. Aktuell (11. Februar, morgens) ergibt übrigens der gefälschte Name bereits mehr Treffer bei Google (141 exakte Treffer3)Suchanfrage “Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg”; 141 Treffer bei Google am 11. Februar, morgens.) als der richtige Name (93 exakte Treffer4)Suchanfrage “Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg”; 93 Treffer bei Google am 11. Februar, morgens.). Glückwunsch, er ist somit wahr.

Die ganze Geschichte im BILDblog: „Wie ich Freiherr von Guttenberg zu Wilhelm machte“.

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1. Anonyme Einfügung am 8. Februar um 21:40 Uhr.
2. Beleg des falschen Namens anhand von SPIEGEL Online am 9. Februar um 15:48 Uhr.
3. Suchanfrage “Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg”; 141 Treffer bei Google am 11. Februar, morgens.
4. Suchanfrage “Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg”; 93 Treffer bei Google am 11. Februar, morgens.

Lesenswert[2]

Eine subjektive Auswahl besonders lesenswerter1)„Lesenswert“ ist hier strenggenommen nicht einmal der korrekte Ausdruck, denn alle drei verlinkten Artikel sind von der Wikipedia-Gemeinschaft nicht nur zu lesenswerten, sondern sogar zu exzellenten Artikel gewählt worden. Wikipedia-Artikel

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1. „Lesenswert“ ist hier strenggenommen nicht einmal der korrekte Ausdruck, denn alle drei verlinkten Artikel sind von der Wikipedia-Gemeinschaft nicht nur zu lesenswerten, sondern sogar zu exzellenten Artikel gewählt worden.

Kein Bügelbrett

Die Welt hat´s verstanden

Für die Fußballfrauen gab es 1989 zum EM-Sieg kein Bügelbrett als Siegprämie. Und Welt Online hat´s verstanden. Yay!

Wer mag, kann ja mal den anderen in dem Welt-Online-Artikel angegebenen Siegprämien hinterher recherchieren. Vielleicht findet sich ja ein weiteres Bügelbrett (im übertragenen Sinne).

Bis dahin bleibt die Hoffnung, dass die Welt-Redakteure die Bügelbrettgeschichte im Hinterkopf habend den Rest hinreichend nachgeprüft haben.

Ethik in der Robotik

Philosophierende Roboter

Über die von Informatikprofessor Noel Sharkey angestoßene Diskussion zu Ethik und Verantwortlichkeit in der Robotik.

Ethik als Grunddisziplin der Philosophie, also der Lehre vom Sein, ist kein Feld, das man klassisch der Robotik zuweisen würde. Noel Sharkey, Professor für künstliche Intelligenz und Robotik an der Universität Sheffield, will jedoch genau das Robotern beibringen. Grundlage für die Idee ist der aktuelle − und in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach noch verstärkte − Einsatz von Robotern im direkten Kontakt mit Menschen. Das meint zum einen den Einsatz zu militärischen Zwecken und zum anderen den Einsatz von Robotern zur Pflege von Alten, Kranken und Kindern. Hier will Sharkey eine Diskussion über Ethik und Verantwortlichkeit bei Robotern lostreten.

Das wirkt noch wie Zukunftsmusik, in Japan und Südkorea kommen Roboter zur Kinder- und Altenbetreuung jedoch mehr und mehr in Mode und auch die Zahl der Militärs, die Roboter aktiv einsetzen, nimmt stetig zu.

Interessant ist die Diskussion über Ethik in der Robotik deshalb auch, weil dadurch die letzte der vier Grunddisziplinen der Philosophie (Logik, Ethik, Epistimelogie, Metaphysik/Ontologie) für Maschinen erschlossen wird. Logik, Epistimelogie (Erkenntnistheorie) und Ontologie sind von der Informatik behandelt und dadurch im Prinzip für Maschinen verfügbar.1)Im Prinzip verfügbar; der Informatikbegriff „Ontologie“ ist nicht deckungsgleich mit dem philosophischen Begriff der Ontologie und Metaphysik. Die Ethik hinzuzufügen ist da eine interessante Erweiterung. Können Roboter dann Philosophieren?

Mehr dazu beim Robotik-Blog.

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1. Im Prinzip verfügbar; der Informatikbegriff „Ontologie“ ist nicht deckungsgleich mit dem philosophischen Begriff der Ontologie und Metaphysik.